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Laura
Schieritz

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Gastbeitrag: Das Aufstiegsversprechen ist nicht mit der Masterurkunde erfüllt

Gastbeitrag: Das Aufstiegsversprechen ist nicht mit der Masterurkunde erfüllt

Das Aufstiegsversprechen ist ein wichtiger Bestandteil der sozialen Marktwirtschaft. Doch Aufstiegspolitik ist mehr als Bildungspolitik.

Ohne ein glaubhaftes Aufstiegsversprechen funktioniert soziale Marktwirtschaft nicht. Denn dann ist das System für jene, die gerade erst anfangen, ungerecht – und jene, die es in der Vergangenheit geschafft haben, werden ohne Konkurrenz träge. Deshalb ist es nur richtig, dass die Freien Demokraten das Aufstiegsversprechen wieder zu einem zentralen Thema in der politischen Debatte gemacht haben. Vermeintliche Arbeiterparteien wie die SPD haben das Thema lange vernachlässigt. Kein Wunder, denn nur die Liberalen haben tatsächlich Antworten, wie sich Aufstieg nach dem Meisterbrief oder der Masterurkunde fortsetzen lässt.

Wenn in der politischen Debatte über Aufstieg gesprochen wird, dann spricht man oft über Bildungspolitik. Und daran ist ja auch erstmal nichts falsch. Denn nur, wer Zugang zu guter Bildung hat, der kann später ein selbstbestimmtes Leben führen. Aber wir dürfen nicht so tun, als ende Aufstieg dann, wenn man einen höheren Bildungsabschluss als die eigenen Eltern erreicht hat. Wer das zum einzigen Maßstab für ein vitales gesellschaftliches Aufstiegsversprechen macht, der ist in zweierlei Hinsicht auf dem Holzweg. 

Erstens läge dieser Betrachtungsweise ein hierarchisches Verständnis von Bildungsabschlüssen und Jobs zugrunde. Der Master in Kunstwissenschaften ist aber nicht per se besser als der Facharbeiterabschluss. Wir brauchen in einer Gesellschaft nicht nur beides – Master und Meister –, auch finanziell kann eine gute Facharbeiterausbildung sich deutlich mehr lohnen als so manches geisteswissenschaftliches Studium. Ein formal höherer Bildungsabschluss ist also nicht automatisch die Verwirklichung von Aufstieg. Und letztlich ist die Entscheidung über den eigenen Bildungsweg und Beruf auch eine ganz persönliche. Ich bin kein Absteiger, wenn ich als Goldschmied meine Erfüllung und viele Kunden finde, meine Mutter aber studierte Historikerin ist. Wer diesen Maßstab an Aufstieg anlegt, der gesteht Menschen eben nicht zu, Pilot des eigenen Lebens zu sein.

Wichtig ist für eine liberale Gesellschaft und ein vitales Aufstiegsversprechen nur, dass die Entscheidung über die eigene Bildungs- und Erwerbsbiografie wirklich bei jedem selbst liegt und nicht durch den soziodemografischen Background determiniert ist. Und da gibt es in Deutschland noch viel zu tun. In fast keinem Land der Welt hängen Bildungschancen so stark vom Elternhaus ab wie in Deutschland. Um das zu ändern, müssen wir die gesamte Bildungskette generalüberholen. 

Bereits bei der frühkindlichen Bildung müssen wir stärker über Kitas als Bildungs- statt nur als Betreuungsstätten sprechen. In den ersten Lebensjahren werden bereits wesentliche Weichen für die kognitive und sprachliche Entwicklung gestellt. Daher muss jedes Kind Anspruch auf einen bezahlbaren oder im besten Fall beitragsfreien Kita-Platz haben. Bei der schulischen Bildung brauchen wir mehr Differenzierung und individuelle Förderung. Ausbildungsförderungen – ob für Azubis oder Studierende – müssen elternunabhängig gewährt werden. Denn die Bildungschancen junger Menschen dürfen weder vom Geldbeutel noch vom Wohlwollen der Eltern abhängen.

Um Bildungspolitik kommt man offensichtlich nicht herum. Daran ist ja auch nichts falsch; fehlen darf sie bei einer Diskussion über Aufstieg niemals. Aber das ist nur Schritt eins. Denn was bringt Politik, die zwar eine gute Ausbildung ermöglicht, dann aber alles daransetzt, das Erarbeite wieder zu egalisieren? 

Zu einem glaubhaften Aufstiegsversprechen gehört auch, dass ich den Lohn meiner Arbeit ernten und auch darauf aufbauen kann. Das bedeutet konkret: Weniger Steuern, einfacher Eigenheimerwerb, faire Chancen für Kleinanleger am Kapitalmarkt, unbürokratische Unternehmensgründungen. Wer sich für Aufsteiger einsetzt, der muss sich auch für ein niedriges (und natürlich gerechtes) Steuersystem einsetzen, denn nur dann lohnen sich Aufstieg und eigene Leistung. Wer sich für Aufsteiger einsetzt, der muss sich auch dafür einsetzen, die Grunderwerbsteuer für das erste Eigenheim abzuschaffen und das Baurecht von Kostentreibern befreien, denn nur so lässt sich Aufstieg auch bis ins Alter verstetigen. Wer sich für Aufsteiger einsetzt, der muss sich auch für eine Vereinfachung von Unternehmensgründungen durch weniger Bürokratie und mehr Wagniskapital einsetzen, denn nur so können sich Menschen selbst etwas aufbauen. Wer sich für Aufsteiger einsetzt, der muss sich auch für eine Abschaffung der Kapitalertragsteuer zugunsten einer Spekulationsfrist einsetzen, damit auch Kleinanleger vom gesamtwirtschaftlichen Wachstum profitieren. 

Das sind nur einige Beispiele dafür, wie sich Aufstieg über den Bildungsabschluss hinaus verwirklichen lässt. Aufstiegspolitik ist nicht nur Bildungspolitik. Aufstiegspolitik ist auch Steuerpolitik, Wirtschaftspolitik, Finanzpolitik und Baupolitik. Die Liberalen haben das erkannt.

Gastbeitrag für keepitliberal.de


15. März 2021
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